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Populismus - Faschismus

Der Text analysiert kritisch die Nähe von Populismus und Faschismus am Beispiel von SVP, MAGA und AfD und diskutiert, wie populistische Rhetorik gesellschaftliche Gefahren birgt.

Veröffentlicht am 20. Februar 2026 7 Min. Lesezeit 2 Aufrufe

Meine Haltung

Gleich zu Beginn: Dieser Text bezieht sich ebenso auf die SVP wie auf MAGA und die AfD.

Populismus

Wir haben uns an das Wort „Populismus“ gewöhnt. Die SVP ist populistisch,

  • die macht halt diese Plakate
  • die sind halt so.
  • In der Schweiz ist das normal.
  • SVP ist eine wichtige Kraft.
  • SVP ist die Bauernpartei.
  • Rechts sind FDP, CVP und SVP, links sind SP, Grüne und GLP.

Ich finde, es ist nicht korrekt, die SVP in einem Atemzug mit den übrigen rechtskonservativen Parteien zu nennen. Populismus ist nicht zwingend rechts. Das konservative Element ergibt sich aus der Fremdenfeindlichkeit. „Früher, ohne Überfremdung, war alles besser.“ Ausserdem ist es einfacher, Angst vor der Moderne, als Angst vor historischer Verklärung zu schüren. Wenn es der SVP nützte, würde sie aber auch eine links progressive Haltung einnehmen. Die Einordnung der SVP als rechtskonservativ normalisiert dieses durchaus inkompatible Gedankengut.

Nehmen wir die FDP als Beispiel – die ist wirtschaftsliberal, aber gesellschaftlich konservativ. Wirtschaftsliberalismus basiert auf einer gewissen realitätsnahen Einschätzung der Verhältnisse.

Die SVP hingegen politisiert mit Übertreibungen und verzerrten Darstellungen.

Nehmen wir erneuerbare Energien als Beispiel. Eine liberale Partei könnte sagen: „Erneuerbare Energien sind wichtig, aber wir müssen auch die wirtschaftlichen Auswirkungen berücksichtigen.“ Im Hinterkopf würde sie sich die Profite ausrechnen und Strategien entwickeln, wie diese am besten abzuschöpfen sind und wie Kooperativen verhindert werden können, die solche Vorhaben torpedieren könnten. Logischerweise müsste der Strompreis mit dem Wegfall von AKW und den viel flexibleren erneuerbaren Energien sinken. DAS ist für die FDP das rote Tuch.

Die SVP hingegen verteufelt erneuerbare Energien als „grüne Ideologie“, die Arbeitsplätze zerstört und die Wirtschaft schwächt. Es werden Endzeitszenarien gemalt, in denen die Schweiz ohne fossile Brennstoffe in der Dunkelheit versinkt: von Windrädern, die den Boden austrocknen, Vögel töten und die Landschaft zerstören; von Solarzellen, die die Umwelt vergiften und die Strompreise in die Höhe treiben. AKW werden als einzige saubere, CO2-neutrale Option dargestellt.

Die SVP nutzt die Angst vor Veränderung und Unsicherheit, um ihre Agenda zu fördern. Sie stellt sich als Verteidigerin der „guten alten Zeiten“ dar, in denen alles besser war. Sie spielt mit den Ängsten der Menschen vor Überfremdung, Arbeitslosigkeit und sozialem Abstieg. Mehr noch: Es werden aktiv Ängste erzeugt und geschürt, um die Menschen zu manipulieren.

Die Wähler sehen, dass sich die Welt verändert, dass neue Technologien und Ideen aufkommen, und sie fühlen sich unsicher. Die SVP bietet einfache Lösungen an, die auf Angst und Vorurteilen basieren. Sie verspricht, die „guten alten Zeiten“ zurückzubringen, ohne zu erklären, wie das funktionieren soll oder welche Konsequenzen das haben könnte.

Unser Beispiel, die erneuerbaren Energien, zeigt diese Diskrepanz. Wir sind fähig, unsere Zukunft nachhaltig zu gestalten, mit ganz neuen Gewinnmöglichkeiten – was der FDP gefallen dürfte, solange die Geldströme in die richtigen Kanäle gelenkt werden. Gott behüte, dass jeder Gebäudebesitzer energieautark werden könnte. Die SVP hingegen blockiert die erneuerbaren Energien aktiv. Damit erreicht sie zwei Dinge: Sie hält die Menschen in der Angst vor Veränderung gefangen, und sie verhindert Fortschritt, der die Schweiz zukunftsfähig machen könnte.

Wie man gerade in den USA sieht, führt das zu einer gefährlichen Radikalisierung. Die Menschen fühlen sich von der Politik im Stich gelassen und wenden sich extremen Lösungen zu. MAGA nützt nur den Wirtschaftseliten, die MAGA eigentlich versprach zu bekämpfen. Es werden ganze Schichten der Bevölkerung ausgegrenzt, obwohl das Versprechen von MAGA war, alle mitzunehmen. Es werden Feindbilder geschaffen, um die Menschen zu spalten und zu kontrollieren. Es wird eine Atmosphäre der Angst und des Misstrauens geschaffen, die die Gesellschaft zersetzt. Es werden parallele Milizen aufgebaut, die bereit sind, Gewalt anzuwenden, um ihre Ziele zu erreichen. Es wird eine Kultur der Lüge und der Propaganda gefördert, die die Wahrheit verzerrt und die Menschen manipuliert.

Durchgesetzt hat sich die SVP mit ihrer populistischen Rhetorik, die auf Angst und Vorurteilen basiert. Sie hat es geschafft, eine breite Wählerschaft anzusprechen, indem sie einfache Lösungen für komplexe Probleme anbietet. Sie hat es geschafft, die Menschen zu mobilisieren, indem sie ihnen das Gefühl gibt, dass sie Teil einer Bewegung sind, die gegen die „Elite“ kämpft.

Faschismus

Es gibt verschiedene Definitionen, was Faschismus ist. Umberto Eco beschreibt in „Der Ur-Faschismus“ 14 Merkmale, die er als typisch nennt. Sinngemäss (paraphrasiert) sind das:

  • Kult der Tradition
  • Ablehnung des Modernismus / der Moderne (gegen Aufklärung und kritische Vernunft)
  • „Handeln um des Handelns willen“ (Anti-Intellektualismus)
  • Widerspruch gilt als Verrat
  • Angst vor Differenz
  • Appell an eine frustrierte Mittelschicht (Statusangst)
  • Obsession mit einer Verschwörung / einem „Plot“
  • Der Feind ist zugleich zu stark und zu schwach
  • Pazifismus gilt als Kollaboration; Leben als permanenter Kampf
  • Verachtung der Schwachen
  • Kult des Heldentums
  • Machismo (u.a. Sexismus, Homophobie, Gewalt- und Waffenkult)
  • Selektiver Populismus („das wahre Volk“)
  • „Newspeak“ / Sprachverarmung, die komplexes Denken erschwert

Die restriktivste Definition von Faschismus, die ich kenne, lautet: Alle Merkmale des Faschismus können auch einfach Populismus sein. Der Unterschied ist das Blut: „Wir verteidigen unser … mit unserem Blut.“

Diese Definition zeigt, wie nahe Populismus und Faschismus beieinander liegen. Populismus kann leicht in Faschismus umschlagen, wenn die Rhetorik und die Ideologie extrem genug werden. Populismus als „harmlose“ Variation einer rechten Partei darzustellen, ist trügerisch. Wie bereits geschrieben, halte ich nichts davon, die SVP in einem Atemzug mit anderen rechtskonservativen Parteien zu nennen.

Die obige Definition zeigt auch, ab wann eine Partei als faschistisch bezeichnet werden kann. Obwohl dies meines Erachtens eine sehr restriktive Definition ist, die jene von Eco deutlich übersteigt, kann man sie verwenden, um MAGA, AfD und SVP als faschistisch zu bezeichnen. Trump hat in seiner Rhetorik immer wieder auf die Idee des „Blutvergiessens“ zurückgegriffen, um seine Anhänger zu mobilisieren. Er hat gesagt, dass er bereit ist, für sein Land zu sterben, und dass seine Anhänger bereit sein sollten, das Gleiche zu tun. Er hat auch gesagt, dass er bereit ist, Gewalt anzuwenden, um seine Ziele zu erreichen. Exponenten der AfD haben ebenfalls immer wieder auf die Idee des „Blutvergiessens“ zurückgegriffen, um ihre Anhänger zu mobilisieren. Es wird gesagt, dass AfD bereit ist, sich für ihr Land zu opfern, und dass ihre Anhänger bereit sein sollten, das Gleiche zu tun. Sie hat auch gesagt, dass sie bereit ist, Gewalt anzuwenden, um ihre Ziele zu erreichen. Die SVP hat zwar nicht explizit von „Blutvergiessen“ gesprochen. Die Rede von Sarah Regez an der Tagung der SVP in Bern im Januar 2024 hat nicht genau diese Worte verwendet, jedoch fiel das Wort „Blut“. Sie hat gesagt, dass die Schweiz „ihr Blut“ verteidigen muss, um ihre Unabhängigkeit und ihre Werte zu schützen. Sie hat auch gesagt, dass die Schweiz bereit sein muss, „alles zu tun“, um ihre Interessen zu verteidigen. Obwohl sie nicht explizit von Gewalt gesprochen hat, ist die Rhetorik sehr nahe an der Idee des „Blutvergiessens“, des „Schweizer Blutes“. Es ist eine gefährliche Rhetorik, die die Menschen dazu ermutigt, extreme Massnahmen zu ergreifen, um ihre Ziele zu erreichen. Es ist eine Rhetorik, die die Gesellschaft spaltet und die Demokratie gefährdet.

Da die SVP nicht explizit von „Blutvergiessen“ gesprochen hat, sind Experten der Meinung, die SVP sei eine Art vorfaschistische Partei. Ich sage: Die SVP kann es sich nicht leisten, noch offener faschistisch zu sein. Das politische System hindert sie daran. Die Rede und die Reaktion des Publikums lassen jedoch wenig Zweifel offen, dass es sich um Faschismus handelt. Niemand in der SVP hat sich gegen die Rede gestellt. In Anbetracht dessen, dass bereits Populismus fast deckungsgleich mit Faschismus ist, halte ich es für müssig, darüber zu streiten, ob es noch ein Vorstüfchen vor dem reinen Faschismus gibt.

Wäre die SVP mächtig genug, wäre sie offen faschistisch wie MAGA und AfD. Vorbereitet dazu ist sie.

Fazit

Wenn mich also jemand auf Social Media oder sonstwo schreiben sieht, die SVP sei eine faschistische Partei, dann habe ich in diesem Text die Gründe dafür geliefert. Ich habe sie genügend begründet. „SVP ist faschistisch“ mag überspitzt klingen, ist jedoch nur wenig falsch – korrekt in dem Sinne, dass nur eine klitzekleine Nuance fehlt, die sich die SVP einfach noch nicht leisten kann zu erfüllen.

Quellen

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